POTS Diagnostik mittels HRV-Messung – Praxis Tebben Landsberg

POTS Diagnostik: Die Rolle der HRV-Messung

Eine sorgfältige POTS Diagnostik ist entscheidend, da sich die Symptome stark mit Angststörungen überschneiden

Das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (POTS) ist gekennzeichnet durch einen übermäßigen Herzfrequenzanstieg beim Aufstehen – ohne Blutdruckabfall wie bei der orthostatischen Hypotonie. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen, oft nach Virusinfekten, Impfungen oder starkem Stress. Die Symptome – Herzrasen, Schwindel, Erschöpfung, „Brain Fog“ – überschneiden sich stark mit Angststörungen und Erschöpfungssyndromen, was die Diagnose erschwert (Fedorowski, 2018).

Diagnostischer Standard: Goldstandard ist der Kipptisch-Test mit Schlag-zu-Schlag-Monitoring. In der Praxis bewährt sich der aktive Stehtest: Ein Herzfrequenzanstieg ≥ 30 bpm (bei Kindern/Jugendlichen ≥ 38–40 bpm) innerhalb von zehn Minuten, verbunden mit Symptomen, gilt als wegweisend (Zhao et al., 2015).

Rolle der HRV: POTS-Patienten zeigen eine deutlich reduzierte parasympathisch vermittelte HRV. In einer Studie an Long-Covid-Patienten mit POTS war die RMSSD signifikant niedriger als bei Gesunden (34,5 vs. 45,6 ms), ebenso die SDNN (86,8 vs. 108,7 ms) – zusätzlich zeigten sich ein abrupter Herzfrequenzanstieg nach dem Aufwachen und gehäufte HF-Spitzen (Hupin et al., 2023). HRV ersetzt den Stehtest nicht, ergänzt ihn aber um ein objektivierbares Verlaufsmaß.

Subtypen unterscheiden: Bei neuropathischem POTS zeigen sich reduzierte vagale HRV-Parameter (HF-Power, RMSSD, pNN50) und eine abgeschwächte Barorezeptor-Sensitivität – Betroffene berichten dabei tendenziell weniger Angst/Depression als bei nicht-neuropathischem POTS (Gibbons et al., 2013; Jacob et al., 2019). Beim hyperadrengen POTS steht dagegen die sympathische Überaktivierung im Vordergrund; ein überschießender diastolischer Blutdruckanstieg im Valsalva-Manöver dient hier als treffsicherer Biomarker (Okamoto et al., 2024).

Abgrenzung zu Angst: Auch bei Angst- und Panikstörungen ist die HRV vermindert – die Störungsbilder lassen sich sogar untereinander unterscheiden (Wang et al., 2023). Eine niedrige Ruhe-HRV allein ist daher nicht POTS-spezifisch. Entscheidend ist die Kombination aus definiertem Herzfrequenzanstieg im Stehtest, HRV-Verhalten während der Orthostase und weiteren autonomen Befunden.

Long Covid als Praxisrelevanz: Bis zu 30 % der Post-Covid-Patienten entwickeln ein POTS. Studien empfehlen daher, HRV und aktiven Stehtest routinemäßig in die Long-Covid-Diagnostik einzubeziehen (Seeley et al., 2023).

Fazit: Die HRV-Messung ist kein Ersatz für den Kipptisch- oder Stehtest, aber ein wertvolles ergänzendes Werkzeug zur Objektivierung der autonomen Belastung, zur Subtyp-Einordnung und als Verlaufsparameter unter Therapie.

Quellen:

Fedorowski, A. (2018). Postural orthostatic tachycardia syndrome: clinical presentation, aetiology and management. Journal of Internal Medicine. Link
Zhao, J. et al. (2015). A cross-sectional study on upright heart rate and BP changing characteristics. BMJ Open. Link
Hupin, D. et al. (2023). Diagnostic value of 24-h ECG recording in Long Covid patients with POTS. Europace. Link
Jacob, G. et al. (2019). Vagal and sympathetic function in neuropathic POTS. Hypertension. Link
Mar, P. L. et al. (2020). Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome: Mechanisms and New Therapies. Annual Review of Medicine. Link
Okamoto, L. E. et al. (2024). Hyperadrenergic Postural Tachycardia Syndrome. Hypertension. Link
Gibbons, C. et al. (2013). Structural and Functional Small Fiber Abnormalities in Neuropathic POTS. PLoS ONE. Link
Wang, Z. et al. (2023). Heart rate variability in GAD, MDD and panic disorder. Journal of Affective Disorders. Link
Seeley, M.-C. et al. (2023). High incidence of autonomic dysfunction and POTS in long-COVID. American Journal of Medicine. Link

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