Augsburger Allgemeine - Artikel über Biohacking
Mit Selbstoptimierung länger leben
Der Landsberger Heilpraktiker Karsten Tebben hilft Menschen mit Biohacking dabei, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Damit könne man sein Leben um mehrere Jahre verlängern.
Von Bianca Dimarsico
Samstag, 25.01.2025
Stärker, länger, besser:
Biohacking ist ein Trend der Steigerungen. Die Menschen, die es ausüben – die Biohacker – wollen fitter sein, klarer denken und im besten Fall ihre Lebenserwartung erhöhen.
In unserer aktuellen Serie gehen wir der Frage nach, wie man sich ohne operative Eingriffe gesund und jung halten kann. Der Landsberger Heilpraktiker Karsten Tebben steht Menschen auf ihrem Weg zur Selbstoptimierung zur Seite. Er erklärt, wie Ernährung, Sport und Mentalhygiene dabei helfen können – und warum man es nicht übertreiben sollte mit dem Wahn zum Besser-Werden.
Vier Säulen gibt es laut Heilpraktiker Tebben beim Biohacking: Ernährung, Sport, Schlaf und mentale Gesundheit. „98 Prozent der Menschen ernähren sich ungesund“, sagt er. „Die Leute tun sich mit einer Veränderung der Essensgewohnheiten besonders schwer“, so Tebben. Genuss werde oft mit Gewohnheit verwechselt. Das gelte besonders für den Konsum von Alkohol und Zucker. Um das Beste für den Körper herauszuholen, empfiehlt er eine frische, regionale und saisonale Ernährung ohne verarbeitete Lebensmittel.
Anfangs könne eine sogenannte Keto-Diät bereits erste Veränderungen bei Fitness und Konzentrationsfähigkeit auslösen. „Danach hat man richtig Energie“, sagt Tebben. Keto heißt, sich extrem kohlenhydratarm zu ernähren und stattdessen mehr Eiweiß zu sich zu nehmen. „Aber das sollte man nicht länger als sechs Wochen machen“, betont Tebben, denn über einen längeren Zeitraum komme es zu Mangelerscheinungen und Problemen mit den Organen. „Die Ernährung ist der größte Hebel, aber auch das, was die Leute am wenigsten ändern. Wenn man da diszipliniert ist, ist schon viel geschafft“, sagt der Heilpraktiker.
Der zweite Punkt ist der Sport. Wer sich regelmäßig bewegt und seine Ausdauer und Kraft trainiert, kann den Alterungsprozess verlangsamen. Daran angelehnt erklärt Tebben die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie Therapie, kurz IHHT. Dabei liegt der Patient oder die Patientin mit einer Sauerstoffmaske auf einer Liege. Über die Maske wird dann abwechselnd ein Sauerstoffüberschuss bzw. -mangel erzeugt, was ein körperliches Höhentraining simuliert. Dadurch wird die Zahl der Mitochondrien, also den „Zellkraftwerken“ im Körper erhöht. „Ab der fünften bis sechsten Sitzung merkt man einen Effekt. Die Patienten berichten von Leistungssteigerung und besserer Konzentrationsfähigkeit“, sagt Tebben. Wer zehn Sitzungen macht, merke etwa ein Jahr lang die positiven Auswirkungen.
Neben der körperlichen Bewegung sei auch Ruhe und Schlaf wichtig, um seinen Körper jung zu halten. Sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht empfiehlt der Landsberger Heilpraktiker. Diese Zeit brauche der Körper zur Regeneration. In seiner Praxis berät Tebben häufig Menschen mit Einschlaf- oder Durchschlafproblemen, was sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann. „Um gut einzuschlafen, sollte man ein bis zwei Stunden vor dem Hinlegen nicht mehr aufs Handy oder auf den Fernseher schauen“, sagt Tebben. Er selbst hat abends einen „Digital Detox“ eingeführt, konsumiert also gar keine oder nur eingeschränkt Medien. Denn auch der Stress, etwa von schlechten Nachrichten über das Weltgeschehen, könne das Kopfkino anknipsen und ein schnelles Einschlafen verhindern. „Besser wäre, abends ein ruhiges Buch zu lesen, einen kurzen Spaziergang zu machen oder zu meditieren“, meint der Heilpraktiker.
Probleme beim Durchschlafen sind meist komplexer. Hier könne man etwa den Stoffwechsel untersuchen, um mögliche Ursachen zu finden. Ein Irrtum sei, dass man mit Alkohol besser schläft. „Nach einem Bier oder einem Glas Wein schläft man zwar schneller ein. Aber nach ein paar Stunden gerät die Leber in Stress und das stört wiederum den Schlaf“, erklärt Tebben.
Ein weiterer Punkt sei ein gestörter Energiestoffwechsel im Gehirn, wobei nicht genug Melatonin, im Volksmund als Schlafhormon bekannt, gebildet wird. Er selbst führt in seiner Praxis entsprechende Hormontests durch, wenn Patienten etwa unter solchen Schlafstörungen leiden und Konzentrationsschwierigkeiten haben.
Extrem wichtig ist laut Tebben die sogenannte Mentalhygiene. „Oft passt das Verhältnis zwischen Stress und Entspannung nicht“, sagt er. „Negative Gedanken können körperliche Effekte auslösen.“ Körperlich passiert bei Stress Folgendes: Die beiden Nebennieren erzeugen die Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Funktionieren die Nebennieren nicht mehr richtig, so wirkt sich das in Erschöpfung und Leistungsverlust aus. „Wird das Organ zu oft aktiviert, wird es ineffizient und kann die Hormone nicht mehr ausschütten. Dieser Burn-out ist nicht mehr reversibel“, sagt Tebben. Chronischer Stress kann also der Gesundheit schaden. Der 50-Jährige empfiehlt feste Ruhezeiten, Bewegung oder Eisbaden, um bei Stress einen klaren Kopf zu bekommen.
Karsten Tebben rät das Biohacking den Menschen, die konkret etwas an ihrer Leistungsfähigkeit ändern möchten. „Wenn man die vier Punkte beachtet, kann das die Lebensqualität verdoppeln bis verdreifachen. Gerechnet in Lebensjahren kann man zehn bis 15 Jahre gewinnen“, sagt der Heilpraktiker. Hinter der Selbstoptimierung stecke jedoch auch viel Zeit und Aufwand – und womöglich ein zusätzlicher Stressfaktor. „Wenn ich mir nur noch auf das Biohacking fixiere, habe ich ein Problem. Wenn man zu verbissen ist, verliert man die Freude“, sagt er.
„Man muss auch noch leben.“ Auf ein Glas Rotwein oder das Stück Kuchen aus dem Lieblingscafé sollte man wegen des Wunsches nach einem längeren Leben also nicht verzichten.
